Diskriminierung und Integration

Aktuellen Forschungsergebnissen zufolge hat derzeit jeder vierte Einwohner Deutschlands einen Migrationshintergrund. Diese multikulturelle Bandbreite sollte eigentlich dazu anregen, aktiv mit Menschen verschiedener Nationen in Kontakt zu kommen und fremde Kulturen näher kennenzulernen, was durch das Gemeinschaftsleben in deutschen Musikvereinen bereits seit langem hohe Priorität hat. Eine neu veröffentlichte Studie zum Thema "Wechselwirkung zwischen Diskriminierung und Integration", die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) durchgeführt wurde, belegt jedoch, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufig mit Diskriminierungserfahrungen in Deutschland zu kämpfen haben.

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"Neue Wege bei Nachwuchsgewinnung erforderlich - Migranten wollen sich in Musikvereinen engagieren"

Wie kann man Migranten in die musiktreibenden Vereine integrieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt des BDO-Fachforums zum Thema "Integration durch Musik: Migranten und Ehrenamt". „Wir müssen sehr wachsam sein, um unser Musikvereinsleben am Leben zu erhalten.“ Deutliche, ja schon warnende Worte fand Fritz Hörter, der Vizepräsident der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (BDO). Denn: Wenn musiktreibende Vereine bei der Suche nach Nachwuchs und ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht verstärkt Migranten gewinnen, kann das eine oder andere Orchester, so mancher Musik- und Gesangsverein über kurz oder lang dicht machen.

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Diskussionsforum 2010

Im Frühjahr 2008 hat die BDO gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände (inzwischen Bundesvereinigung Deutscher Chorverbände) unter dem Dach der „Bundesvereinigung Deutscher Chor- und Orchesterverbände“ (BDCO) ein Forum unter dem Titel „Integration durch Musik – was kann die Laienmusik in Deutschland tun?“ durchgeführt. Hierbei wurden folgende Überzeugungen zum Ausdruck gebracht:

 

Musik schafft (kulturelle) Identität

Eine aktive musikalische Betätigung schafft Freude und Freunde und stärkt damit die Persönlichkeit, die sozialen Bindungen und die Kreativität eines jeden Menschen. Auf diese Weise schafft Musik Identität im Allgemeinen und kulturelle Identität im Besonderen. Diese sozialpädagogische Bedeutung eigener musikalischer Arbeit ist ganz besonders für Kinder und Jugendliche bedeutend. Neben Anerkennung und Erfolgserlebnissen lässt sie Versagens- und Misserfolgserlebnisse vergessen.

 

Musik ist per se multikulturell

Melodien, Rhythmen und Harmoniefolgen sind und waren in der musikalischen Praxis unserer Welt stets „auf Wanderung“ durch die unterschiedlichen Kulturen. Diese Feststellung trifft auch auf die von Amateurchören und -orchestern in Deutschland aufgeführte Literatur zu. Als Beispiel hierfür kann die Entstehung des Jazz als eine der wichtigsten globalen Musikformen des 20. Jahrhunderts gesehen werden. Heute findet sich diese multikulturelle Musikform in vielen Konzerten von Chören und Orchestern wieder – entweder als Jazz oder in weiterentwickelter Form.

 

Musik schafft eine emotionale Basis

Jeder aktive Musiker weiß aus eigener Erfahrung: Nach gemeinsamen Musiziererlebnissen hat man auf einer emotionalen Ebene zu seinen Mitmusikern ein anderes, in der Regel tiefer gehendes persönliches Verhältnis. Menschen, die gemeinsam musizieren oder am selben Abend gemeinsam auf der Bühne stehen, finden auch im alltäglichen Leben leichter zueinander.

 

Musik verbindet Menschen

Integrationsdefizite sind in erster Linie auf mangelhafte deutsche Sprachkenntnisse und auf Schwächen in Bildung und Ausbildung zurückzuführen. Diese Defizite führen nicht selten zudem zu einer gesellschaftlichen Abschottung. Gemeinsames Musizieren kann diese gesellschaftliche Abschottung überwinden und Menschen miteinander verbinden.

 

Musik erreicht alle Menschen

Integration kann nicht „von oben“ verordnet werden. Es kommt demnach darauf an, die Menschen direkt zu erreichen. Dies vermag das Musizieren. Eine aktive Beschäftigung mit Musik in der Freizeit findet in allen Bereichen unseres Lebens statt. Auf dem Land und in den Ballungszentren, in den verschiedensten Lebensstilmodellen unserer Gesellschaft sowie in allen Altersstufen, vom 18-monatigen Kind bis hin zum 80-jährigen Senior.