Trauer um José Antonio Abreu

Die Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände trauert um José Antonio Abreu. Der Empfänger der Hans-Lenz-Medaille 2012 verstarb am Samstag im Alter von 79 Jahren.

 

José Antonio Abreu erhielt die Hans-Lenz-Medaille 2012 für seine weltweiten Verdienste um das Amateurmusizieren. Der Begründer des venezolanischen "El Sistema" hatte es geschafft, ausgehend von 15 Jugendlichen, die sich in einer Garage trafen, eine nationale Bewegung mit hunderten von Musikschulen und abertausenden von jugendlichen Musikern aufzubauen. Papierorchester, Jugendorchester und Nationalorchester sind nur einige der Stationen, welche die Jugendlichen motivieren - und sie üben dafür auf eigenen Instrumenten. Oft sind diese Instrumente der erste eigene Besitz der Jugendlichen, welche in sozial schwachen Vierteln aufwachsen und über die Musik eine Möglichkeit aufgezeigt bekommen ihr Leben zu verbessern.

 

"El Sistema" strahlte schon länger in die Welt - auch nach Deutschland - aus. So wurden z.B. die Projekte "Jedem Kind ein Instrument" oder "ZukunftsMusiker" mit direktem inhaltlichen Bezug auf El Sistema aufgebaut, denn der Volkswirtschaftler Abreu hatte bewiesen: Wenn alle in einem solchen System musizieren und zusammenwirken ist das viel mehr als ein Kulturprojekt, es ist ein Sozialprojekt mit direkten, messbaren Auswirkungen auf Jugendkriminalität und andere Faktoren.

 

Der BDO war es daher ein großes Anliegen, Herrn Abreu hierfür mit der Hans Lenz Medaille stellvertretend für die vielen fleißigen Hände und Köpfe des "El Sistema" auszuzeichnen und diese Idee, welche eine große Breitenförderung ermöglicht, zu würdigen. Am 27. Juli 2013 überreichten BDO-Präsident Ernst Burgbacher und Präsidiumsmitglied Hedy Stark-Fußnegger im Rahmen der Salzburger Festspiele persönlich die Hans-Lenz-Medaille an José Antonio Abreu in einer sehr beeindruckenden Feierstunde. Herr Abreu dankte der BDO mit sehr bewegenden Worten und drückte seine Hoffnung aus, in Zukunft das venezolanische Modell noch stärker in die Welt zu tragen.

Die Hans-Lenz-Medaille wurde im Jahr 2006 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände gestiftet. Sie wird einmal jährlich an Persönlichkeiten oder Institutionen vergeben, die sich in besonderer Weise um die breite Verankerung der Musik in der Gesellschaft, die Anerkennung der Bedeutung des Amateurmusizierens und insbesondere für die kulturelle Jugendbildung, verdient gemacht haben. Die Medaille erinnert an Hans Lenz, den dritten Präsidenten der BDO und ersten Bundesminister für wissenschaftliche Forschung.