Podiumsdiskussion „Nachhaltigkeit in der Laienkulturförderung“

Der Standort Eberswalde ist seit über 180 Jahren der nachhaltigen Forschung und Lehre verpflichtet, daher widmeten die Tage der Chor- und Orchestermusik eine Podiumsdiskussion der Frage, inwieweit das Konzept der Nachhaltigkeit auf die Kulturförderung übertragbar ist.

 

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und hat es mittlerweile zu einiger Popularität gebracht. Prof. Dr. Heike Molitor sieht in der Kulturellen Bildung als Teil der Persönlichkeitsentwicklung ein ideales Feld, um sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Die Prodekanin des Fachbereichs Landschaftsnutzung und Naturschutz der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde betont allerdings, dass Nachhaltigkeit mehr als nur Dauerhaftigkeit bedeute, da es um Möglichkeiten für spätere Generationen gehe, deren Voraussetzungen heute geschaffen werden müssten. Entscheidend ist ihrer Meinung nach die ganzheitlich zu beantwortende Frage „Wie wollen wir leben?“. Da brauche es Kreativität, um ganz konkret vor Ort gemeinsam zu gestalten.

 

Auch aus Sicht des Referenten für Bildung und Jugendpolitik bei der Deutschen Bläserjugend, Matthias Laurisch, bedeutet Nachhaltigkeit in erster Linie generationenübergreifend. Ihm geht es nicht nur um die Frage „Was hinterlassen wir?“, dem Wunsch nach Verlässlichkeit und Stabilität, sondern ebenso um den Umgang mit der jungen Generation auf Augenhöhe, also um Offenheit und Transparenz in der Kommunikation. Nachhaltige Wirkung kann seiner Einschätzung nach auch ein Projekt haben, denn wo Erfahrungen gemacht werden und Menschen sich mit etwas auseinandersetzen, da bleibe auch etwas hängen.

 

Als Präsident des Bundesverbandes Deutscher Liebhaberorchester betrachtet Helge Lorenz es als Aufgabe der Verbände, für Stabilität in der oftmals flüchtigen musikalischen Arbeit zu sorgen, sie seien daher Garanten für Nachhaltigkeit. Er weist darauf hin, dass ehrenamtliche Strukturen allerdings begrenzte Ressourcen bedeuteten und umso wichtiger öffentliche Förderung sei, um Ideen zu verwirklichen. Auch Matthias Laurisch erklärt, dass das Ehrenamt nur mit dem Hauptamt zusammen gehe, weil es eine Art Rückgrat brauche, an das es andocken könne. Das bringt aus dem Publikum Angelika Schreiegg, Präsidentin des Chorverbands Bayern, auf den Punkt: „Nachhaltiges Arbeiten erfordert viel Herzblut und Fachleute. Fachleute gibt es nicht umsonst, man braucht also auch Geld.“ Sie fügt hinzu, dass die Förderungsbürokratie oftmals ein großes Hindernis darstelle.

 

Cerstin Gerecht, hält es als Referatsleitung Darstellende Kunst und Musik im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Brandenburg für wichtig, dass eine Gesellschaft ihre Ziele im Bereich Kultur (und damit das, was gefördert werden soll) immer wieder neu überprüft und darüber nachdenkt, wie diese erreicht werden können, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit auch Neues eine Chance auf Förderung erhalten könne.

 

Moderator Stephan Ametsbichler vom Bayerischen Rundfunk hält am Ende der Diskussionsrunde fest, dass Nachhaltigkeit ein ganzheitlicher Begriff sei. Beständige Strukturen einerseits und Projekte andererseits zählten gleichermaßen als wichtige Faktoren der nachhaltigen Kulturarbeit. Wünschenswert wären aber eine bessere Vernetzung und effizientere Strukturen zur Förderung.